Anselm M. Hirschhäuser

Als kleiner Junge produzierte Anselm Magnus Hirschhäuser sehr viele Comics und Daumenkinos. Seine Klassenkameraden freuten sich, dass sie alle darin vorkamen. Zum Leid seiner Lehrer kamen diese auch darin vor. Zum Leid seiner Eltern hatte er nur in Kunst eine Eins.

Als Jugendlicher ersetzte er den Bleistift durch die Sprühdose und zog mit seinen Kumpels durch die Nächte. Sie kümmerten sich um die Schriftzüge, Anselm kümmerte sich um die Figuren und Landschaften. Bald wurde ihm der ständige Blick über die Schulter zu anstrengend und er sprühte nur noch auf Leinwände. Als ihm die Sprühdose zu grob wurde, ersetzte er sie wieder durch den Bleistift. Er zog nach Berlin und studierte dort Visuelle Kommunikation. Er wollte Grafiker werden, in einer Agentur arbeiten und kreative Werbung machen – doch der Bleistift ließ ihn nicht los. Auch seine Professorin Nanne Meyer trug maßgeblich dazu bei, dass er Zeichner geworden ist.

Anselm mag es, angewandt zu arbeiten – vielleicht wollte er deshalb früher einmal Grafikdesigner werden. Er selbst sieht sich nicht als freien Künstler. Er hat zwar seine eigenen Projekte, nur für sich selbst, aber am liebsten arbeitet er mit einer Aufgabe. Er setzt ein Gefühl um, sagt er: „Ich lese zwischen den Zeilen und erschaffe Bilder, die einen Text stärken. Es erfordert Fingerspitzengefühl. Es geht nicht nur ums Zeichnen, sondern auch ums Denken!“

Seine Inspiration holt sich Anselm M. Hirschhäuser in Ausstellungen. Die alten Meister schaut er sich besonders gerne an. Aber auch der Dialog mit Freunden, die meisten sind künstlerisch tätig, inspiriert ihn. Sehr viel Inspiration schöpft er auch aus den Bildern von Horst Janssen.

Anselm ist vornehmlich ein analoger Zeichner. Feder, Tusche, Pinsel und abgebrochene Schaschlikstäbchen sind seine Tools, außerdem Aquarellfarben, Graphit-Aquarell und wasserlösliche Buntstifte. Gerade hat er sein altes Linoldruck Set heraus gekramt.

Aber das wichtigste Arbeitsutensil ist der Bleistift und natürlich gutes Papier! Außer, wenn er Gif-Animationen machen soll, dann zeichnet er auf seinem Grafiktablett.

Besonders interessiert ist Anselm an der Ess- und Trinkkultur. Vielleicht auch, weil er lange als Barkeeper gearbeitet hat. Aber er legt sich ungern fest, es gibt immer wieder etwas Neues, das ihn interessiert. Er illustriert zum Beispiel sehr gerne Kurzgeschichten und Reportagen, das ist zwar anspruchsvoll, aber leider nicht sehr lukrativ. 

Anselms Vorgehensweise ist simpel: Erst denken, dann kritzeln. Am liebsten bekommt er ein Briefing in der U-Bahn. Da ist er gezwungen, erst einmal zu denken, bevor er etwas aufs Papier bringen kann. Zuerst macht er sich viele Notizen, bevor er zu zeichnen beginnt. So nähert er sich einem Thema. Dann denkt er weiter mit dem Stift und es folgen Skizzen. Mit Bleistift auf Papier oder auf Briefumschlägen – es kommt darauf an, was gerade auf seinem Zeichentisch liegt. Erst dann kommt es zur Ausarbeitung. In der Regel geht das dann relativ schnell. – „Ich habe einen recht sicheren Strich.“ – Wenn er zufrieden ist, wandert die Zeichnung auf den Scanner und wird digitalisiert.

Eines seiner liebsten Projekte sind die Selbstportraits mit (sehr) schlechter Laune. Mit denen hat er sich bei Kombinatrotweiss beworben und sofort unser Herz erobert! Er selbst nennt die Reihe: „Ich möchte ein Eisbär sein.“ – Wer schon mal „Eisbär“ von Grauzone gehört hat, weiß, was er meint. Das Projekt läuft schon seit ein paar Jahren. Horst Janssen sagte mal: „Zeichne dich selbst, dann zeichnet dich Gott.“ – Anselm ist selbst kein gläubiger Mensch, aber nach einer Weile hat er begriffen, was damit gemeint ist: Es gibt da etwas anderes, was den Bleistift mitführt, während er sich selbst zeichnet. Etwas, was er nicht in Worte fassen kann oder eher nicht in Worte fassen möchte. Am stärksten fühlt er es, wenn er schlecht gelaunt ist. – „Es kann eben diese Laune sein, die die eigene Wahrnehmung überraschend ändert. Besonders in Bezug auf sich selbst. Es ist eine Art Rausch, in dem die Zeichnungen entstehen. Besonders spannend ist es für mich, die Zeichnungen zu betrachten, wenn ich meine, wieder ich selbst zu sein.“

Als kleiner Junge produzierte Anselm Magnus Hirschhäuser sehr viele Comics und Daumenkinos. Seine Klassenkameraden freuten sich, dass sie alle darin vorkamen. Zum Leid seiner Lehrer kamen diese auch darin vor. Zum Leid seiner Eltern hatte er nur in Kunst eine Eins.

Als Jugendlicher ersetzte er den Bleistift durch die Sprühdose...

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